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Flüchtlinge lernen Umgang mit Social Media

Von Florian Ferber, OV Vechta:
Frauen aus Syrien, Albanien und Guinea besuchen mehrwöchigen Kurs im Visbeker Haus der Bildung und Familie

Die angeeignete Medienkompetenz soll auch den eigenen Kindern zugute kommen. Unersetzbar bei den Übungen: Übersetzerin Izdehar Mustafa.
Wie installiere ich eine Kindersicherung auf dem Smartphone? Wie bedient man eine Suchmaschine? Wie funktionieren Facebook und Snapchat? Fragen, die geübte User und Technik-Nerds im Schlaf beantworten könnten, andere aber (noch) vor Rätsel stellen. Um hier Abhilfe zu schaffen, läuft im Haus der Bildung und Familie in Visbek derzeit ein Kurs, der die eigene Medienkompetenz erhöhen soll.
Das Besondere: Die knapp zehn Teilnehmerinnen sind allesamt geflüchtete Frauen aus Syrien, Albanien und Guinea – und Mütter. Daher lernen sie in den insgesamt acht Übungseinheiten bis Ende September auch nicht nur für sich, sondern wollen mit ihrem Wissen anschließend ihrem Nachwuchs im world wide web zur Seite stehen.
Sowie Nawal Ibrahim und Rima Alhassan. Die vier- und sechsfachen Mütter aus Syrien haben in Visbek eine neue Heimat gefunden. „Wir wollen mehr über das Internet lernen und wie wir unsere Kinder schützen können“, sind sich beide unabhängig voneinander einig. Ähnlich die Beweggründe bei Rouguiata Bah aus Guinea. „Für mich ist der Kurs sehr interessant. Erst wenn ich selber lerne und mehr weiß, kann ich später auch mein Kind schützen und sicher begleiten“, sagt die junge Frau aus
Westafrika.
Für Leiterin Ruth Honkomp unersetzlich ist Übersetzerin Izdehar Mustafa. Die Kurdin lebt mit ihrer Familie in Lohne und kam im August 2015 aus Syrien nach Deutschland. Die Thematik des Kurses kennt die dreifache Mutter aus dem Alltag. „Von Freunden hören meine Kinder immer, was es für Spiele auf dem Handy gibt. In unserer Heimat dagegen hatten wir kein freies Internet.“ Für ihren Einsatz, auch außerhalb des Kurses, bekommt die Dolmetscherin Lob von Gaby Middelbeck von der
Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft beim Landkreis Vechta. „Sie hat sich bei uns gemeldet
und schon einen ganz tollen Lebensweg vorzuweisen. Sie ist sehr ehrgeizig und hat schnell Deutsch gelernt.“ Auch wenn sie als Englischlehrerin ein Faible für Sprache hat, habe sie in Deutschland von Null anfangen müssen – und anfangs „viel geweint“, so Izdehar Mustafa.
Groß ist indes nicht nur bei den Teilnehmerinnen die Freude, dass der Medienkompetenzkurs in Visbek überhaupt zustande gekommen ist. Der wurde zum Großteil über das Projekt „500 LandInitiativen“ des
Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. Den Rest steuerte das Caritas Sozialwerk bei. Weitere
Kooperationspartner sind die Flüchtlingshilfe Visbek und die Kreisvolkshochschule (KVHS) Vechta, die die Räumlichkeiten und das EDV-Equipment im Haus der Bildung und Familie bereitstellt.
Die pädagogische Leiterin der KVHS, Sabina Kramer, sagte bei einem Kursbesuch am Montag:
„Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich, wie wichtig es ist, zu lernen. Nicht nur, um einen Job zu finden, sondern auch für sich selbst und um den Kindern ein gutes Beispiel zu sein.“ Gaby Middelbeck von der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft erklärte sie würde es gut finden, wenn so ein Medienkompetenzkurs auch an anderen Stellen im Landkreis angeboten würde.
Die Smartphones gezückt: Izdehar Mustafa (vorne rechts) und die anderen Teilnehmerinnen wollen
ganz genau wissen, was es mit Facebook, Twitter und Co. auf sich hat.

Foto und Text: Florian Ferber, OV Vechta
 


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