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QuAB bringt Alleinerziehende in den Beruf

Projekt zur Qualifizierung von Alleinerziehenden startete im September an der Kreisvolkshochschule Vechta e. V.

Für Alleinerziehende bedeutet der tägliche Spagat zwischen Beruf und Familie eine besondere Herausforderung. Fehlt zudem eine berufliche Qualifikation ist die Abwärtsspirale in die Armut vorgezeichnet. Das Projekt „Qualifizierung für Alleinerziehende und Berufsrückkehrerinnen (QuAB)“ will hier Abhilfe schaffen und die Frauen in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bringen.

Als vor zweieinhalb Jahren der Mann von Elena Zilke verstarb, stand die Mutter von sechs Kindern im Alter von vier, sechs (Drillinge), sieben und einundzwanzig Jahren vor der Herausforderung, alleine für den Unterhalt der Familie sorgen zu müssen und gleichzeitig die Betreuung der Kinder und den Haushalt zu stemmen. In ihrer Heimat in Russland hatte sie früher als Arzthelferin gearbeitet, doch der Berufsabschluss wird hier nicht anerkannt. Das macht es für sie noch schwerer, eine qualifizierte Teilzeitarbeit zu finden, die es ihr ermöglicht, nachmittags ihre Kinder zu betreuen.

Seit September nimmt Elena Zilke an der Maßnahme „QuAB – Qualifizierung für Alleinerziehende und Berufsrückkehrerinnen“ an der Kreisvolkshochschule Vechta e. V. teil. Hier erhält die 42-Jährige grundlegendes berufliches Wissen. „Wir konzentrieren uns im Unterricht auf sieben Schwerpunktthemen. Zum einen werden die Frauen in den Bereichen EDV, arbeitsmarktrelevantes Wissen, ökologisches Bewusstsein, Finanzmanagement und Erste Hilfe geschult, zum anderen geht es aber auch um Themen wie Stressmanagement und Selbstmarketing. Zusätzlich beinhaltet der Lehrgang drei Praxisphasen in unterschiedlichen Betrieben“, erläutert Melanie Meyer. Die Sozialpädagogin betreut an der Kreisvolkshochschule in Vechta das Projekt QuAB gemeinsam mit der Sozialpädagogin Bettina Espelage. Zurzeit nehmen 14 Frauen an der Maßnahme teil, wobei die Teilnehmerzahl wechseln kann. „Es handelt sich um ein offenes Angebot“, erklärte Bettina Espelage. Wenn eine Teilnehmerin während des Lehrgangs bereits ein Arbeitsverhältnis annehmen kann, ist diese Maßnahme für sie beendet. „Unser Ziel ist es, die Frauen in eine  sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu bringen“, so Espelage. Es können aber auch jederzeit noch Teilnehmerinnen in die Maßnahme, die noch bis Ende 2018 läuft, einsteigen

Die Kreisvolkshochschule Vechta e. V. ist einer von drei Bildungsträgern, die das Projekt QuAB umsetzen. Im Landkreis Cloppenburg ist die Volkshochschule zuständig und im Landkreis Diepholz der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e. V. (VNB), Syke. Die Verantwortlichen bei den Bildungsträgern arbeiten eng mit den örtlichen Agenturen für Arbeit und den Jobcentern zusammen. Es ist das erste landkreisübergreifende Projekt zur Unterstützung von Alleinerziehenden in der Region. Gefördert wird das Projekt, das auf Initiative des Fachkäftebündnisses Nordwest Teilregion Mitte entstand, durch den Europäischen Sozialfonds.

„Rund 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Viele von ihnen sind auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Besonders schwierig ist die Situation für Frauen, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Alleinerziehend bedeutet oft auch Armut“, erklärt Renate Hitz. Sie ist Leiterin der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft im Oldenburger Münsterland und kennt die Situation der Frauen aus den Beratungsgesprächen.  „Durch die berufliche Qualifizierungsmaßnahme QuAB erhalten die Teilnehmerinnen die Chance, eine Tätigkeit zu finden, die das Familieneinkommen verbessert und auch später vor Altersarmut schützt“, ergänzt Sabina Kramer, Pädagogische Leiterin der Kreisvolkshochschule Vechta e. V.

Elena Zilke, weiß um diese Chance. Gerade hat sie ihr erstes Praktikum beim Famila-Markt in Lohne erfolgreich beendet. “Die Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht. Besonders der Kontakt zu den Kunden“, erklärt sie. Ob sie hier später einmal arbeiten wird, hängt auch von den Arbeitszeiten ab. Sie könnte sich auch vorstellen, noch eine Ausbildung zu machen, denn seit 2005 gibt es durch das Berufsbildungsgesetz auch die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung. Marktmanager Hans Gerd Eilermann jedenfalls war mit der Arbeit von Elena Zilke sehr zufrieden, er gibt jedoch zu bedenken, dass eine Festanstellung auch bedeuten würde, die Arbeitszeiten flexible auf die Marktbedürfnisse anpassen zu müssen. Elena Zilke jedenfalls ist hoch motiviert: „Ich habe Lust zu arbeiten und ich möchte mich einbringen“, so ihre Einstellung und damit ist sie auf einen guten Weg in einen qualifizierten Beruf.

Weitere Informationen sind über die Ansprechpartner der Kreisvolkshochschule Vechta e. V. unter der Telefonnummer 04441/93778-0 erhältlich sowie über die Arbeitsagenturen und Jobcenter.

Bildmaterial: honorarfrei (Quelle: KVHS/Böckermann)
Elena Zilke (rechts) wird von Sabina Kramer (Päd. Leiterin der Kreisvolkshochschule Vechta e. V.), Hans Gerd Eilermann (Marktmanager Famila) und Melanie Meyer (Kreisvolkshochschule Vechta e. V., Projektentwicklung QuAB) (von links) bei dem Lehrgang unterstützt


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